Interviews

Interview mit Bea Dörig.

  • Warum bist du Künstlerin geworden?

Dazu ein Zitat von Hannah Höch. Ich finde, darin beschreibt sie sehr treffend, was Künstler*innen zum Arbeiten bewegt.

 “Die Leitmotive meines Werkes sind in mir verankert, wie in jedem Künstler. Man muss! Es macht es! Das hat nichts mit Überheblichkeit zu tun und nichts Übersinnliches. Man ist gezwungen, es zu tun. Es ist unabhängig vom Zusatnd. Es ist eine bekannte Tatsache, das besonders Maler bis zu ihrem letzten Augenblick arbeiten. Alle. Sie müssen!” 

Zitat: Hannah Höch, So viel Energie, Künstlerinnen in der dritten Lebensphase von Hanna Gagel, S. 89

  • Wann war es für dich klar, dass du Performance KünstlerIn wirst?

Die Performance ist ein mir neues Medium. Die Performances entstanden immer in Zusammenarbeit und gemeinsamen Ausstellungsprojekten mit der Künstlerin Andrea Vogel.

  • Kannst du beschreiben, was eine gute Performance für dich ist? was interessiert Dich daran?

Ich bin immer auch auf der Suche nach grösst möglicher Freiheit in der Kunst, um in assoziativer Form mich persönlichen und gesellschaftsbedingten Themen unserer Zeit annähern zu können und diese im Tun und Denken zu verbinden. Performance bietet eine grosse Freiheit und ermöglicht eine freie Wahl der künstlerischen Ausdrucksform.

Für mich ist es wichtig, dass eine Performance mit dem Ort und mit meiner Arbeit korrespondiert.  

In einer guten Performance ist die Präsenz und Authentizität der Künstler*innen in ihrem Tun und Lassen spürbar. Wichtig sind zudem der Moment und der Ort an dem sie stattfindet, sie beeinflussen den Verlauf und den Vorgang des Geschehens und machen diese für den Performer, die Performerin nicht absehbar und einmalig. Die Performance ist dem Moment verpflichtet, eine flüchtige Kunstform. Es bleibt kein bestehendes Werk zurück, was ich als sehr befreiend empfinde.

  • Was ist schwierig an der Arbeit eines Künstlers?

Die finanzielle Situation der Künstler*innen.  Da mit der Kunst oft nur ein eher bescheidenes Einkommen erlangt werden kann. 

  • Wie entsteht eine Performance bei Dir? Wie soll ich mir Deinen Arbeitsprozess vorstellen? 

Wichtig ist der Ort des Geschehens. Bei einem ersten Rundgang entstehen meist viele, sehr unterschiedliche Ideen. Diese werden nun geprüft, verworfen, weiterentwickelt und stetig reduziert, bis einer Idee für eine Performance nichts mehr beizufügen und es nichts mehr zu vereinfachen gibt. So erlangt die Arbeit ihre Gültigkeit. 

  • Wie hast Du Dich bei Deiner Performance im Stadtpark anlässlich des 1. Performance Open-Air gefühlt? Wie hast du das empfunden?

Das Wichtigste war mir die Zusammenarbeit mit der Künstlerin Andrea Vogel. Wir konnten im Moment der Performance aus dem gegenseitigen Austausch von Energie und Präsenz schöpfen und dies spürbar nach aussen tragen.

  • Ist das Publikum -falls eine Interaktivität verlangt oder geplant – auf Deine Arbeit eingegangen?

Das Publikum schien sichtlich Spass zu haben, hat gelacht und geschmunzelt. Die Interaktivität boten uns die Vögel der Volière, die uns einen wunderbaren Abschluss der Performance bescherten. Auf ihre Reaktion waren wir im Voraus sehr gespannt.

 

St. Gallen, Ende September 2018

 

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©performance open-air st. gallen